Biodiversität - Artenvielfalt - Vielfalt im Allgemeinen

Betrachten wir natürliche Systeme, egal ob es sich um einen Wald, ein Meer, einen See, Fluß oder selbst eine Wüste handelt, werden wir sehr schnell feststellen, daß alle etwas gemeinsam haben - die Vielfalt. Nicht immer erschließt sie sich uns gleich mit bloßem Auge, wie z.B. bei einer Wüste, aber trotzdem ist sie vorhanden. Der Mensch, und hier ganz besonders der moderne Mensch, möchte aber gern seine Umwelt komplett verstehen, begreifen und vor allem kontrollieren können. Da sind diese komplexen und äußerst verwirrenden Zusammenhänge eher störend.

Sobald man alles mit etwas Abstand betrachtet, findet man auch sehr schnell den Grund dafür, denn der Mensch kann heute leider seine Umwelt nur noch kausal, also in Abhängigkeit voneinander, verstehen, das Verständnis für Analogien ist irgendwo auf der Strecke geblieben. Die Folge davon ist, alles, was nicht in einen kausalen Ablauf paßt, beiseite zu schieben oder noch schlimmer, komplett zu eliminieren. Wenn ich also das Produkt Holz haben möchte, dann pflanze ich Bäume, versorge sie mit Wasser und ggf. Dünger und warte, bis sie groß genug sind, um sie zu ernten. Wozu brauche ich dafür einen Wald mit seinen unzähligen nutzlosen, weil unverstandenen, Pflanzen, Tieren, Pilzen und Mikroorganismen, denn die Bäume wachsen ja auch so?

Land- und Forstwirtschaft erkennen ganz langsam, daß Monokulturen mehr Probleme aufwerfen, als Nutzen zu bringen.

HarvesterDer industrielle Gedanke ist, von einer einzigen Sache mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel herzustellen. So gesehen ist auch die Land- und Forstwirtschaft eine Industrie. Wo Mais oder Soja gut wachsen, baut man es eben auf mehreren tausend Hektar an. Am besten natürlich zusammenhängend, damit man es mit gigantischen Erntemaschinen ernten und dank perfekter Logistik auch billig abtransportieren kann. Bei Holz ist es ganz genauso. vorbei sind die Zeiten, als jemand durch den Wald lief und einzelne Bäume, vielleicht sogar noch unterschiedliche, markierte, damit dann die Kettensäge anrücken kann - viel zu ineffektiv. Holz wird sogar in Deutschland schon mit sog. Harvestern geerntet. Das sind große Maschinen, die einfach den Stamm ergreifen und ihn samt Wurzel aus dem Boden reißen. Auf diese Weise werden zusammenhängende Flächen "geerntet" und man kann danach alles schön glatt pflügen und neue Bäumchen einsetzen.
All diese Monokulturen haben ein gemeinsames Problem: Jede kleinste Störung, durch Wetter, sog. Ungeziefer oder Pilzbefall, hat verheerende Folgen. Daher wird schon im Vorfeld kräftig dagegen "gekämpft". Bei Soja und Mais ist es schon lange die Gentechnik, die immer resistentere Pflanzen "produziert", in den Baumplantagen geht man noch den herkömmlichen Weg und stellt Fallen oder sprüht Gifte. Zum Glück beginnt ganz langsam ein Umdenken, denn einige kleine Unternehmen haben gezeigt, wie es auch anders geht.

Der neue - alte Weg

ApfelsinenIn der Landwirtschaft haben Permakultur-Projekte bestätigt, daß man nicht nur giftfrei Erträge erzielen kann, sondern diese sogar höher sind, als bei den Monokulturen, wenn man die Flächen korrekt umrechnet. Natürlich erzielt ein Permakultur-Unternehmen nicht die gleichen Erträge pro Hektar von einer Frucht, Gemüse oder einem Getreide, sondern von vielen unterschiedlichen. Rechnet man aber nun den prozentualen Flächenanteil aller angebauten Pflanzen gegen den Ertrag der Monokulturen, so bleiben die Monokulturen deutlich auf der Strecke - und das auch noch ganz ohne Chemie. Auch die Forstwirtschaft hat erkannt, daß ein gemischter Forst deutlich weniger anfällig für Parasitenbefall ist, als eine Monokultur, umgesetzt wird diese Erkenntnis aus wirtschaftlichen Gründen leider viel zu selten.

Fazit:
Mehr vom Selben = sicheres Ende
oder
mehr Vielfalt = echtes Leben auf Dauer

Es ist auf der einen Seite zum Glück so einfach, es zu verstehen, aber leider auf der anderen Seite so schwer, es umzusetzen. Bleibt die jetzt vorherrschende Zielsetzung bestehen, mehr von einer Sache zu produzieren, um damit den schnellen Profit zu maximieren, wird das ganze System kollabieren, denn Wachstum endet immer im Tod. Es kann niemals ein unendliches Wachstum geben. Lassen wir aber zu, daß sich natürliche Systeme entwickeln und beobachten sie dabei, um sie zu verstehen, dann können wir sie auch auf unbegrenzte Zeit nutzen, ohne sie zu zerstören. Natürlich müssen auch wir Menschen lernen, uns zu entwickeln, anstatt nur zu wachsen, aber das ist Leben.

 

Bild Harvester Urheber Hajotthu - Wikipedia