Der tropische Regenwald

Regenwälder existieren beiderseits des Äquators bis ungefähr zum 10. Breitengrad, also in Süd- und Mittelamerika, Afrika, Südasien und Südostasien, sowie Australien. In einigen Regionen findet man sie aber auch deutlich darüber hinaus.

Der Regenwald verschwindet mit unglaublicher Geschwindigkeit

wahrscheinlich für immer von der Erde - und dabei ist es die wichtigste "Fabrik" der Menschheit.

Nirgendwo auf der Erde laufen so wichtige Prozesse für Kohlenstoffbindung, Sauerstoffproduktion und weltweiter Klimaregulierung ab, wie im tropischen Regenwald.

Dieser Wald ist ein Urwald der ganz besonderen Art, denn ein sehr großer Teil aller Prozesse spielen sich oberhalb des Bodens ab. Der Regenwald besteht regelrecht aus Etagen, die alle eigene Ökosysteme bilden.

Regenwald - Leben in "Etagen"

Die Bodenschicht besteht, wie auch in Deutschland, aus dem Wurzelwerk der Pflanzen und einer hier meistens sehr dünnen Humusdecke.
Darüber befindet sich die bis 1,50m hohe Krautschicht, mit Moosen, Farnpflanzen oder anderen Bodendeckern, die wenig Lichtbedarf haben.
Die darauffolgende Strauchschicht, zu der auch junge Bäume gehören, erreicht eine Höhe von etwa 5m.
Es folgt die Schicht der niedrigen Bäume und dann, in einer Höhe von etwa 40m, die Kronenschicht mit dem Hauptkronendach, welches von oben betrachtet fast undurchdringlich aussieht.
Vereinzelt überragen noch Baumriesen bis zu 60m Höhe (sog. Überständer) das Hauptkronendach.

Regenwald Stockwerke

Durch den massiven Eingriff in dieses hochkomplizierte Gesamtsystem, kann der natürliche Regelkreis in Zeitspannen, in denen wir denken, nicht kompensieren. Das soll heißen, daß wir die Wiederherstellung der Regelmechanismen garantiert nicht mehr erleben.

Ein Regenwald besitzt z.B. keine bzw. nur eine winzige Humusschicht, da sich alles in höheren Regionen abspielt. Dies ist das größte Problem bei der Rodung, insbesondere der Brandrodung. Natürlich haben die Indianer schon früher Regenwald abgebrannt, aber die so entstandenen kleinen Flächen, konnte die Natur später leicht wieder zurückgewinnen. Die heutige Brandrodung findet in ganz anderen Dimensionen statt und vor allem auf riesigen, zusammenhängenden Flächen, denn man will diese ja später industriell nutzen.

Bei der Brandrodung geht nahezu 100% der Biomasse in Rauch auf

Dies verschlechtert natürlich die CO2-Bilanz extrem, denn es wird in die Atmosphäre eingeleitet und außerdem ist die "Fabrik" jetzt weg.

Das nächste Problem sind die neuen Ackerflächen, denn der natürliche Dünger reicht nicht einmal für die ersten zwei Jahre, es muß also Kunstdünger her. In einem natürlich gewachsenen Boden befinden sich ca. 30.000 Spurenelemente (das ist kein Druckfehler) - gedüngt wird jedoch nur mit 6 bis maximal 30 Substanzen!

Hat hier noch irgendjemand Zweifel, was uns krank macht oder zumindest fehlen könnte?

Die geernteten Produkte sind garantiert reichlich und hübsch anzuschauen, haben jedoch keinen Wert als Nahrung, weder für Tier noch Mensch.

Der Wald als Wasserpumpe

Da der Wald auch eine gigantische Wasserpumpe ist, kommt es zu einer Versteppung von Regionen, die vom Meer aus gesehen "hinter" den gerodeten Flächen liegen. Noch stärker als in deutschen Wäldern verdunstet im Regenwald ein sehr großer Teil des Niederschlages, bevor er überhaupt den Boden erreicht und kann durch Wind weiter transportiert werden.

Ackerland verhindert den natürlichen Wassertransport

Fällt der Niederschlag jedoch auf Ackerland, so versickert ein großer Teil oder läuft oberflächlich ab. Es verdunstet deutlich weniger und vor allem nur kurz nach dem Regen. Die mit dem Wind weiter landeinwärts verfrachtete Wassermenge wird deutlich reduziert und das Klima in noch völlig intakten Gebieten verändert sich.

Darauf müssen diese Gebiete reagieren und so kann es passieren, daß ein völlig gesundes Ökosystem, welches auf den Regen angewiesen ist, sich plötzlich drastisch verändert.

Künstliche Bewässerung als Teufelskreis

In landwirtschaftlich genutzten Gebieten wird dies sehr schnell bemerkt und mit künstlicher Bewässerung korrigiert. Natürlich fehlt auch dieses Wasser wieder an anderer Stelle und wir haben einen neuen Teufelskreis von Hand geschaffen.

Regenwald

Ein schönes Beispiel ist der Río Pilcomayo, ein großer Fluß in Paraguay, der in seinem Oberlauf einfach versickert, da aus unterschiedlichen Gründen nicht genug Wasser da ist, um weiter fließen zu können.

Für einen Regenwald wäre eine küstliche Bewässerung allerdings gar keine Lösung, mal abgesehen davon, daß sie mit Flugzeugen erfolgen müßte um den Regen zu simulieren, der ja nun mal ganz natürlich von oben kommt.

Lokale Eingriffe mit globalen Auswirkungen

Weltweiten Einfluß haben aber die sich ändernden Winde, die teilweise zwar jahreszeitlichen Schwankungen unterliegen, aber einem Rythmus gehorchen. Wenn sich nun in einer Region durch geringeren Niederschlag und veränderte Vegetation auch die Temperaturen ändern, kommt es zwangsläufig zu Veränderungen der Windstärke und -richtung. Je nach Größe des einzelnen Gebietes und Häufigkeit der Störung, können sich globale Windsituationen ändern und indirekt sogar die Meeresströmungen. Denkt man hier an den Golfstrom, kann man sich vielleicht ein Bild von den verheerenden Folgen machen. Schließlich liegt Hamburg, würde man es in der gleichen Höhe in Nordamerika ansiedeln, schon tief in Kanada und umgekehrt liegt New York auf der Höhe von Madrid. Das Hamburg und New York in etwa das gleiche Wetter haben, liegt hier ausschließlich am Golfstrom.

 

Bilder Wikipedia: Karte Stockwerke: Elke Freese - Regenwald: Shao